Wegwarte - Cichorium intybus

Die Wegwarte ist eine Wildpflanze, die tief in unserer Kultur verankert ist. Zum einen ist sie uns allen als Radicchio, Endiviensalat und als Chicoree bekannt, diese sind die Kulturformen der Wegwarte. Zum anderen taucht sie in vielen Sagen und Geschichten auf, die bis in neolithische Zeiten zurückreichen. So kommt ihr Name „Wegwarte“ von der Geschichte, diese Blume sei eigentlich eine verzauberte junge Frau, die ihrem Geliebten nachschaut, welcher gen Osten nach Jerusalem davongeritten ist. Dieser ist aber nie zurückgekehrt, daher blickt sie ihm noch heute nach und wartet am Wegesrand auf ihn. Deshalb schauen ihre blauen „Blüten-Augen“ stets nach Osten. Im Neolithikum wird sie als Braut der Sonne angesehen. Deshalb schaut sie der Sonne am Morgen entgegen und schließt ihre Blüten am Mittag, wenn die Sonne sich wieder auf den Abstieg macht.

Die Wegwarte wird etwa 50 cm bis in seltenen Fällen 150 cm hoch und bildet von Juni bis Oktober ihre blauen Blüten aus. Die ganze Vegetationsperiode über kann man ihre Blätter sammeln, um sie in Salate zu geben oder als Blattgemüse zuzubereiten. Sie schmecken besonders vor der Blüte sehr aromatisch, nussig und leicht bitter. Ab dem Einsetzen der Blüte lagert die Pflanze zunehmend mehr Bitterstoffe ein und so kann es empfehlenswert sein, vor Verwendung die Blätter in Wasser einzulegen, um einen Teil der Bitterstoffe zu extrahieren. Die Blüten können eine hübsche Zierde im Salat darstellen und sind nur ein wenig bitter. Auch die stark ausgeprägte Pfahlwurzel kann verwendet werden. Hieraus kann der sogenannte „Muckefuck“ hergestellt werden, welcher als koffeinfreier Ersatzkaffee auch in vielen Bioläden zu kaufen ist. Dazu trocknet man die Wurzeln und röstet sie anschließend klein geschnitten an, bis sie braun werden. Schließlich kann man sie zu feinem Pulver mahlen und 1-2 TL hiervon mit heißem Wasser aufgießen, um den schmackhaften Kaffee zu erhalten. Abgesehen von den kulinarischen Verwendungsmöglichkeiten ist die Wegwarte auch eine Heilpflanze. Ein Tee aus den Wurzeln ist dabei besonders wirkungsvoll bei Leberbeschwerden. Zudem wirkt die Wegwarte Appetitanregend und Verdauungsfördernd.

Die Wegwarte wächst, wie der Name schon sagt, gerne an Wegen. Auch am Rand von Agroforststreifen, im Gemüsebeet, Gartenbeet oder am Rand von Waldgartenlichtungen wird sie sich wohl fühlen. Dabei kann sie mit sehr trockenen Böden umgehen und benötigt eine recht nährstoffreiche Erde. Auf einen hohen Nährstoffgehalt reagiert sie mit umso reicherer Ernte. Zudem bevorzugt sie lehmige Böden die gut durchlässig und tiefgründig sind. Der Standort ist im Idealfall sonnig, halbschattige Lagen werden jedoch auch toleriert. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Europa und Westasien bis nach Nordwestafrika, was ihre Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellt.
Die Wegwarte ist mehrjährig und zuverlässig winterhart. Als einheimische Wildpflanze dient sie vielen Wildtieren als Nahrungsquelle und ist eine wertvolle Pflanze für Bestäuber. Ihre Dürreresistenz macht sie zu einer zuverlässigen Gemüsepflanze, auch in trockenen Sommern. Zudem besitzt die wilde Wegwarte eine hohe Krankheitsresistenz. Bei uns kannst Du die Wildform kaufen, die sich - einmal an einem geeigneten Standort etabliert - auch gerne selbst aussät.