Salomonsiegel - Polygonatum odoratum

Das überaus dekorative Salomonsiegel wird etwa 50 cm bis teilweise 100 cm hoch und bildet aufrechte, überhängende Bögen aus. An diesen Bögen hängen von Mai bis Juni kleine weiße, duftende Blütenglöckchen in Zweierpaaren. Im Herbst bilden sich anstelle der Blüten blau-schwarze, bereifte Beeren aus. Das Verbreitungsgebiet reicht über Europa, Russland, China, und Korea bis nach Japan. Als einheimische Wildpflanze kommt es in lichten Eichen- und Kiefermischwäldern vor. Somit ist es eine ideale Pflanze für einen Waldgarten, eine Hecke oder ein Agroforstsystem, da es halbschattige Standorte unter Bäumen liebt. Hier verwildert es gerne mit seinen kräftigen, etwa 1 cm dicken Rhizomen und bildet dichte Bestände aus.

Verwendet werden können von der üppigen Pflanze die jungen Sprossen im Frühjahr. Sie können entweder roh oder gekocht verzehrt werden. Ebenso die stärkereichen Wurzeln, diese sollten vor dem rohen Verzehr jedoch vorerst gründlich gewässert werden. Besser ist es, die Wurzeln zu kochen und das Wasser abzugießen. Man kann sie ähnlich wie Kartoffeln zubereiten. Die Sprossen und jungen Stängel ergeben im Frühjahr einen hervorragenden Spargel-Ersatz. Bei einigen Gärtnern wird das Salomonsiegel sogar dem Spargel vorgezogen, da er einen hervorragenden Geschmack hat und deutlich leichter anzubauen ist. Es sollte jedoch davor gewarnt werden, ältere Pflanzenteile zu verzehren sowie große Mengen zu verzehren, da alle Teile einen leichten Gehalt an Giftstoffen aufweisen. Besonders die Beeren sind giftig, diese sollten auf keinen Fall verzehrt werden.

Die Sprossen machen sich sehr gut angebraten in der Pfanne oder in einer kräftigenden Frühjahrssuppe, schmecken aber auch im Salat ausgezeichnet. Am oberen Ende der Sprossen befindet sich ein Blattschopf, der manchmal etwas bitter schmecken kann.
Dem Salomonsiegel wird auch eine Vielzahl von Heilwirkungen zugeschrieben. Die Wurzel wird im Herbst geerntet und kann zur späteren Verwendung getrocknet werden. Das Salomonsiegel wird in der Hausmedizin bei Prellungen und schlecht heilenden Wunden angegeben. Innerlich kann es bei Husten und Koronarer Herzkrankheit lindernd wirken. Ein Aufguss wird als harntreibendes und stoffwechselanregendes Mittel verwendet, wobei nicht mehr als 3 Tassen pro Tag und nur über kurze Zeiträume eingenommen werden sollten. Eine innerliche Anwendung sollte nur unter Aufsicht eines fachkundigen Arztes geschehen.

Das Salomonsiegel bevorzugt einen schattigen oder halbschattigen Standort. In der Sonne gedeiht es ebenfalls. Hier bildet das Salomonsiegel sehr dichte Bestände wohingegen es im Schatten eher locker wächst, sodass sehr leicht noch andere Kulturen unter ihm gedeihen können. Der Boden sollte idealerweise frisch oder leicht trocken sein. Auch saure Waldböden sagen dem Salomonsiegel zu. Es breitet sich über Rhizome aus und verwildert gerne, wird dabei aber nicht lästig. Die Pflanze ist sehr robust und langlebig und besitzt keinerlei Anfälligkeit gegenüber Krankheiten. Sie gedeiht gut in Zone 3-7. Die Blüten sind zwittrig und werden durch heimische Bienen bestäubt. Dadurch besitzt das Salomonsiegel einen hohen ökologischen Wert. Es ist selbstfruchtbar und kann durch die Beeren, besser aber durch die Rhizome vermehrt werden. Zur Vermehrung über die Beeren sollte das Fruchtfleisch entfernt werden und die Samen unverzüglich gesät werden. Erst nach 2 Jahren wachsen hieraus dann neue Pflanzen. Nahe verwandte heimische Pflanzen, wie beispielsweise die Quirlblättrige Weißwurz können ebenso verwendet werden.