Frauenminze - Tanacetum balsamita

Die Frauenminze ist mittlerweile überwiegend in Vergessenheit geraten. Dabei war sie ab dem Mittelalter ein geschätztes Heilkraut, welches in jedem Klostergarten und öffentlichen Park zu finden war. So wurde ihr Anbau auf allen kaiserlichen Gütern im „Capitulare de villis vel curtis imperii“ von Karl dem Großen vorgeschrieben. Ursprünglich war sie im Kaukasus heimisch, hat sich jedoch mittlerweile in Südeuropa als Archaeophyt eingebürgert. Die Frauenminze ist eigentlich keine Minze sondern ein mit dem Rainfarn eng verwandter Korbblütler, was man an den kleinen, gelb-grünen Knopfblüten erkennen kann. Sie wird 80 bis 150 cm hoch, hat einen starken Wurzelstock, ein üppiges Wachstum und bis zu 20 cm lange, eiförmige, leicht gezähnte, samtig behaarte Blätter. Besonders die Blüten haben einen stark aromatischen, ätherischen Duft. Sie verdient ein Comeback als mehrjährige Gemüsepflanze und Heilkraut in unseren Gärten.

Wenig bekannt, aber deshalb nicht weniger geeignet ist die Frauenminze als mehrjährige Gemüsepflanze. So können die aromatischen Blätter roh verzehrt werden, oder als Gewürz in Suppen, Braten und diversen anderen Gerichten zugegeben werden. Besonders gut macht sie sich auch in Fischgerichten und kalten Soßen. Auch können die Blätter fein gehackt sparsam Salaten zugegeben werden. Sie haben ein sehr angenehmes Aroma, können aber im Essen zu stark sein, wenn man nicht aufpasst. Das Aroma kann als zitronig, minzig und leicht kampferartig beschrieben werden. Die Blätter können auch in Kuchenbleche gelegt werden, um den Kuchen während des Backens zu aromatisieren. Das besondere, ätherische Aroma der Pflanze besitzt ein enormes Potential, nicht nur für die Alltags-, sondern auch für die Gourmetküche. Früher wurden die Blätter häufig beim Bierbrauen verwendet, bevor sie vom Hopfen verdrängt wurden.

Als Heilpflanze hatte die Frauenminze einst eine große Bedeutung, ist aber zu Unrecht immer mehr in Vergessenheit geraten. So kann sie zum Beispiel innerlich als Tee aus den Blättern angewendet werden. Die Blätter sind verdauungsfördernd und abführend. Diese positive Wirkung auf den Verdauungstrakt ist besonders auf die krampflösende Wirkung zurückzuführen. Dies macht sie auch zu einem ausgezeichneten Mittel bei der Menstruation, wodurch sie vermutlich auch ihren Namen erhielt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie von dem Arzt M. Stirnadel als besonders wirksam gegen Gallenleiden beschrieben. Auch davor war sie ein bekanntes Leber- und Gallenmittel. Diese Wirkung hat sie vor allem ihrer harntreibenden, ausleitenden und somit entgiftenden Eigenschaft zu verdanken. Auch soll sich ein Aufguss der Blätter als Wurmkur bewährt haben. Schwangere Frauen sollten wegen des Einflusses auf die Gebärmutterkontraktion von einer Einnahme absehen. Aufgrund der adstringierenden und antiseptischen Wirkung können die Blätter als Salbe zur Behandlung von Wunden, Verbrennungen und Insektenstichen verwendet werden. Getrocknet wird sie häufig Duft-Potpourris zugemischt.

Die robuste Pflanze bevorzugt einen sonnigen, warmen Standort und einen trockenen Boden. Sie ist aber recht anspruchslos und gedeiht unter den meisten Bedingungen. Der PH-Wert ist idealerweise im neutralen bis leicht alkalischen Bereich. Im Schatten bildet die Frauenminze zahlreiche Blätter, aber keine Blüten. Dies kann einen Vorteil darstellen, wenn die Pflanze wegen der nützlichen Blätter angebaut wird. Die Frauenminze ist eine sehr wüchsige Pflanze, die sich über ihre Wurzeln ausbreiten kann und üppige Horste ausbildet. Ein optimaler Standort ist zum Beispiel in oder auf der Südseite einer Trockenmauer. Pflanzen mit ätherischen Ölen, wie die Frauenminze sind durch ihre Ausdünstungen besonders wichtig für ein gesundes Ökosystem und können umliegende Pflanzen vor Krankheiten und sogenannten „Schädlingen“ schützen. Es kann sich zum Beispiel eine Unterpflanzung von Obstbäumen oder Weinreben anbieten, um diese vor Mehltau zu schützen. Hierzu kann sie auch mit anderen Kräutern wie Zitronenmelisse, Minze, Katzenminze oder Zwiebelgewächsen kombiniert werden, welche Du auch im ackerbaum Webshop kaufen kannst.

Weiterhin hat die Frauenminze einen positiven Einfluss auf die Artenvielfalt, da sich bestäubende Insekten durch ihre zierlichen kleinen Blüten angelockt fühlen. Durch ihre wärmeliebende Eigenschaft und Trockenheitstoleranz wird sie sich auch in Zeiten des Klimawandels gut entwickeln. Fühlt sie sich wohl, kann sie verwildern und so selbstständig, ohne Hilfe durch den Menschen ihren wertvollen Beitrag für ein gesundes Ökosystem leisten.